Busfahren in LA

Ich wohne nun schon seit mehr als 3 Jahren in Landshut, aber an eines scheine ich mich nie zu gewöhnen: das Busfahren. Oder vielmehr die Art, wie die Busfahrer fahren. Sagen wir es so: In München oder Berlin habe ich mir während einer Busfahrt nie die Frage gestellt, wieso es in Bussen eigentlich keine Sicherheitsgurte gibt. Und kriegt man in Landshut keinen Sitzplatz, dann hängt man während der Fahrt schon mal beinahe horizontal in der Schwebe.

Ein Busfahrer erzählte mir mal, dass seine Kollegen alle gekündigt hätten, weil das Busfahren in Landshut stressiger geworden wäre. Auch für mich ist das Leben in Landshut stressiger geworden, seitdem ich hier Bus fahre. Es ist also eine Lose-Lose-Situation.

Eines hat mich als angehende Sozialarbeitern jedoch schwer beeindruckt: die pädagogischen Fähigkeiten eines Landshuter Busfahrers! Ich möchte diese anhand folgender Begebenheit einmal näher erläutern.

Situation: Ich steige am Bahnhof in den Bus ein. Der Busverkehr ist erst seit kurzer Zeit wieder am Laufen, da (mal wieder) bei Bauarbeiten eine Fliegerbombe entdeckt wurde und entschärft werden – und folglich der Bahnhof evakuiert werden – musste. (Mir wurde erzählt, dass der Bahnhof seit dem zweiten Weltkrieg quasi unterirdisch aussieht wie ein Schweizer Käse. Beruhigende Vorstellung). Nach mir steigt ein keiner Junge ein und geht schnurstracks zum Busfahrer.

Kleiner Junge: „Entschuldigung, aber war da echt eine Bombe am Bahnhof?“

Busfahrer: „A geh, so a Schmarrn, wenn da a Bombn g’wesen war, warad da Bahnhof doch nimma do!“ (Zu Deutsch: „So ein Blödsinn, wenn dort wirklich eine Bombe gewesen wäre, wäre der Bahnhof doch längst in die Luft geflogen“).

Der Junge setzt sich schweigend hin.

Man merke: Die Welt einfach und präzise erklären ohne Schnörkel und beschönigendes Gewäsch, schon schafft man sich weitere lästige Fragen vom Hals! Was soll eigentlich dieses ganze empathische Zeug, was wir an der Hochschule lernen?

Wie auch immer, an das Busfahren in Landshut werde ich mich nie gewöhnen. Vielleicht ist es etwas anderes, wenn man selber am Steuer sitzt. Es kommt ja immer auf die Perspektive drauf an. Und wenn ich später mal merken sollte, dass ich nicht zur Sozialarbeiterin tauge, kann ich ja immer noch Busfahrerin werden. In Landshut.

 

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: