Life finds a way

Babys waren bislang für mich eher langweilige Wesen, die nicht viel können und dafür ganz schön viel fordern. Ich glaube, dieses Bild wandelt sich gerade, seitdem sich die Schwangerschaften in meinem Bekannt(innen)kreis häufen.

Ich finde es faszinierend, wie neues Leben geschieht, direkt unter uns. Dass wir als Frauen zu so etwas in der Lage sind. Dass der Körper weiß, was er machen soll, einfach so. Nach welchem Plan geht er vor? Woher weiß er es? Und was er alles aushalten kann und auf sich nimmt, um neues Leben zu generieren …

Als ich Mitte 20 war – in meinen etwas feministischeren Jahren – bekam ich eine Gänsehaut bei dem Song „Blood in the Boardroom“ von Ani diFranco: „These men’s got the money, they got the instruments of death – but I can make life, I can make breath.“

Okay, natürlich ist das einseitig. Natürlich gehören immer zwei dazu, um neues Leben zu generieren. Natürlich brauchen wir Frauen die Männer. Oder doch nicht? Unromantischerweise kommt mir an dieser Stelle immer dieser Satz von Jeff Goldblum aus „Jurassic Park“ in den Sinn: „Life finds a way.“ (Das sagt er doch, als ihm erklärt wird, dass alle Dinosaurier im Jurassic Park nur Weibchen sind, damit die sich nicht einfach unkontrolliert vermehren. Aber dann, am Ende, finden die ja im Raptorengehege ein Nest mit Eiern und dann … okay, ich schweife ab.)

Jedenfalls finde ich es ebenso unglaublich, wie mit diesem Thema in unserer Gesellschaft umgegangen wird. Auf der einen Seite ist eine Schwangerschaft störend, wenn es um die Wirtschaft geht („Was, schon wieder Elternzeit?“), andererseits boomt der Handel mit allerhand Sachen, die man vor, während und nach der Schwangerschaft haben sollte. Und nicht nur mit Sachen, sondern auch mit dem Antrainieren von Fähigkeiten und Fertigkeiten, die das Kind anscheinend haben sollte (Wie, dein Kind ist nicht im Unterwasser-Schwimmtraining-Stimmtraining Kurs? Also, ich besuche ja den Mutter-Kind-Yoga Kurs mit anschließendem Luftgitarren-Training und Hippgläschen-Weitwurf). Eigentlich ziemlich unpraktisch, dass das Kind nicht gleich mit den nötigen Gadgets geboren werden kann. Und dann gibt es ja noch dieses ganze Drumrum: Gender-Reveal-Partys, Profi Fotosession im Kreißsaal … wir versuchen etwas, was animalisch und ursprünglich ist, in unsere Zeit zu integrieren. Und bekommen das Ergebnis, dass es weiterhin … animalisch und ursprünglich ist. Denn es ist trotzdem immer noch Schweiß, Blut und Körperflüssigkeit. Und sorry, von mir aus soll es gerne so sein. In einer Welt, die oft nur aus Fassaden besteht, bin ich froh, etwas zu sehen, was echt ist.

Aber weswegen wollen wir überhaupt Kinder? (Wenn wir logisch denken würden, müssten wir unsere Rasse doch eher dezimieren als multiplizieren, schon allein der Ressourcen wegen). Wollen wir Kinder, weil wir etwas von uns weitergeben wollen; uns selbst in etwas wiedersehen wollen, was uns im besten Fall überdauert? Oder ist es ganz profanes Konsumdenken: Ich will das, was andere auch haben, egal, was es ist?

Solange ich diese Frage für mich nicht geklärt habe, will ich jedenfalls kein Kind. Vielleicht werde ich auch niemals eines haben. Wobei mir da gerade schon wieder dieser verdammte Jeff Goldblum in den Kopf schießt: „Life finds a way …“

Und weil’s so schön war:

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: