Haben Sie die DeutschlandCard?

Seit ungefähr drei Jahren wohne ich einem Netto gegenüber. Als ich das erste Mal dort einkaufen ging, wurde ich von der Kassiererin gefragt, ob ich eine DeutschlandCard besitze. Als ich verneinte, gab sie mir das gute Stück in die Hand, eingeklebt in einen Flyer, auf dem beschrieben war, wie man die Karte über das Internet aktivieren solle.

„Jetzt Punkte sammeln und sparen – bei EDEKA und vielen weiteren Partnern!“ Ich nahm die Karte mit und legte sie auf die rechte obere Ecke meines Schreibtisches, wo sie bis zum heutigen Tage liegen blieb.

Doch natürlich hat mich das bloße Ignorieren der DeutschlandCard die letzten drei Jahre nicht vor dem immer wiederkehrenden Spruch der Kassierer/innen bewahrt, wenn ich dort einkaufen ging: „Haben Sie die DeutschlandCard?“

„Nein.“

„Wollen Sie sie haben?“

„Nein.“

„Mit der DeutschlandCard sparen Sie Geld und haben viele Vorteile!“

„NEIN!“

Mein angeborener Widerspruchsgeist, der sich gegen alles richtet, was man „haben sollte“, fand im Widerstand gegen die DeutschlandCard enormen Auftrieb. Doch leider war das nur die eine Seite der Medaille. Daneben regte sich nämlich auch zuverlässig jedes Mal, wenn ich den Supermarkt verließ, der Gedanke in mir: „Was hättest du dir jetzt mit diesem Einkauf wieder gespart, wenn du nur die DeutschlandCard hättest?“ Mit jedem Besuch des Nettos wurde diese innere Zerrissenheit größer. Auf einmal verstand ich wirklich, was Goethe mit den „zwei Geistern, die in seiner Brust wohnen“, gemeint hatte.

„Diese beschissene DeutschlandCard ist doch nur wieder so ein Trick von denen, um die Kunden zu binden.“

  • „Ja, aber damit sparst du am Ende Geld! … vorausgesetzt, du gehst bei Netto oder Edeka einkaufen.“

„Genau! Das ist es ja, was ich meine! Ich habe keine Lust, mich diesem Diktat unterzuordnen!“

  • „Ja, aber alle anderen haben sie auch und du bist wahrscheinlich die Einzige, die immer noch ohne DeutschlandCard einkaufen geht.“

„Und so soll es auch bleiben! Man muss auch mal gegen den Strom schwimmen!“

So ging es, wie anfangs schon erwähnt, sage und schreibe drei Jahre lang, in denen die innere Zerrissenheit wuchs und wuchs. Der Gedanke an die DeutschlandCard bereitete mir schlaflose Nächte, und wenn ich einschlief, dann nur, um später schweißgebadet wieder aufzuwachen, die alles entscheidende Frage in meinem Kopf: Wäre mein Ja zur DeutschlandCard nun eine Bereicherung meines Lebens oder eine Niederlage, indem ich dem Konsumdiktat der Marktwirtschaft meine Zusage erteilte?

Nach einem erneuten Gespräch mit der freundlichen Netto-Kassiererin fällte ich gestern, müde und mürbe geworden vom vielen Denken, den Entschluss, der DeutschlandCard eine Chance zu geben. Heute Morgen setzte ich mich gleich an den Laptop, nahm die Karte von meiner rechten Schreibtischecke und tippte meine persönlichen Daten in das bestimmt absolut sichere Anmeldesystem der DeutschlandCard-Website. Ich drückte auf Enter und ein weiteres Feld erschien, auf dem ich ein Häkchen setzten sollte: „Hiermit stimme ich den Nutzungsbedingungen zu sowie der Nutzung meiner Email Adresse zu Werbe- und Informationszwecken.“

Ich explodierte. Diese Idioten hatten sich nicht mal die Mühe gemacht, ihr Ansinnen, mich am Ende mit Werbung zu zu ballern, zu verschleiern! Wenn ich als kleine Konsumentin schon eingelullt und manipuliert werde, dann doch bitte auf seriöse Art und Weise – und nicht auf eine derart durchsichtige!

Die DeutschlandCard flog umgehend in meinen Mülleimer. Und ich hoffe zumindest, dass ich ab heute wieder besser schlafen werde.

Ich bin übrigens seit Jahren Besitzerin einer Payback Karte. Letztens fragte ich die Kassiererin im Rewe, ob sie mal nachschauen könne, wieviel Geld sich inzwischen darauf befindet. Es sind ganze 90 Cent.

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